Nachdenkliches

Der Star



 

Kommentare:

Karin Balmer Besonders all diese Eintagsfliegen aus diesen Castingshows 😊.....Hast Du toll geschrieben

 

Wort-Los



  • #1

    Uschi (Dienstag, 24 November 2015 ) "Hoffen und Harren macht manchen zum Narren" - gewöhnlich zitiere ich keine Sprichwörter, aber so wie in dem Sprichwort - und wie du es im Gedicht trefflich ausgedrückt hast - wird es uns allen wohl ergehen. L.G. Uschi

  • #2

    Gunda (Dienstag, 24 November 2015) Ach, Uschi, ich hoffe eigentlich nicht, dass ich mich mit dem Hoffen auf Frieden zum Narren mache ... Danke für deinen Kommentar.

  • #3

    Bruni (Freitag, 27 November 2015) Liebe Gunda, das hast Du super in Lyrik packt, diese Ängste, diese Wut, diese Trauer. Mehr geht nicht, lange Texte verweigern sich noch in Ohnmacht. Prima, dass Du nicht verstummst!

  • #4

    Gunda (Freitag, 27 November 2015) Danke, Bruni. Ja, ich hatte Angst, wenn ich mich des Themas ausschweifender annähme, kämen nur Worthülsen dabei heraus ...

Vogelstraußverlangen


Manchmal möcht ich mich verweigern,

dann geh ich auf Denkdistanz

und begegne selbst den Zeigern

meiner Uhr mit Ignoranz.

 

Keine Tageszeitung lesen,

nichts von Katastrophen hör'n …

So, als könnt' die Welt genesen,

blieb' ich einen Tag ihr fern.

 

Doch wenn nicht nur ich so dächte?

Würd' sich jeder distanzier'n,

hätten dann nicht all die Mächte,

die voll Machtgier intrigier'n

 

leichtes Spiel? Kein Aufbegehren

gegen inhumane Kraft

oder Weltbeherrschungslehren

stoppte üble Machenschaft.

 

Nein, da hilft kein Ignorieren!

Eine menschlichere Welt,

wo nicht Hass noch Krieg regieren,

schafft nur der, der sich ihr stellt!


Thomas (Montag, 02 Mai 2016 09:21)

Hallo Gunda,
da triffst du den Nagel auf den Kopf. Genau SO ging's mir in den letzten Wochen und Monaten auch. Am liebsten hätte ich mich unterm Stein versteckt. Aber wirklich besser macht's das wohl auch nicht, stimmt, und ein wenig ruft dann doch das schlechte Gewissen, wenn man (bzw. ich) sich aus allem rauszuzieht. Andererseits ist ja auch keinem damit geholfen, dass ich mir beim Verfolgen der Nachrichten den Kopf zerbreche. Schwieriges Thema. Dein Gedicht ist aber sehr wahr: Würden wir allen den Kopf in den Sand stecken, hätten die ganzen bekloppten Entscheider dieser Welt erst recht freie Bahn.
Liebe Montagsgrüße, Thomas

 

Ödland


… und es füllen sich die Stunden

die bis gestern licht und blau

und als stets zu kurz empfunden

Stück für Stück mit dichtem Grau

 

und sie dehnen sich zu Tagen

ohne Sinn scheint der Moment

in der Kehle würgen Fragen

deren Antwort niemand kennt

 

wieder lese ich die sieben

dürren Zeilen auf Papier

die – von flücht'ger Hand geschrieben -

so viel ändern – und ich frier'

 

Stille tönt in meinen Ohren

und das Denken wird zur Qual

alle Freude scheint verloren

da durchdringt ein Sonnenstrahl

 

jenes Grau - er schenkt ein Ahnen

seh' ein zartes Grün entsteh'n

Hoffnung will den Weg sich bahnen

und ich lasse es gescheh'n

 


Abtritt


Dunkelroter Samt, zerschlissen,

letzter Nachhall von Applaus,

Staubkorntanz in Pappkulissen,

kein Da Capo ... Fine! Aus!.

 

Pianissimo verklungen,

letzter Ton schwebt in der Luft,

Notenblatt, Erinnerungen,

Schminke, Schweiß,– Theaterduft ...

 

Leer die Gänge, leer die Kassen,

träumend ein Kostüm im Spind.

Garderobe gähnt verlassen,

ausgestorben, Spiegel blind.

 

Müde senkt er seine Lider.

Weiße Lilien aus der Hand

legt er vor der Bühne nieder.

Schweigend geht der Intendant

 

An des Regenbogens Ende


An des Regenbogens Ende

hoffst du, all dein Glück zu finden,

doch erwehrt sich's deiner Hände:

Kommst du näher, siehst du's schwinden.


Trotz des Eilens deiner Schritte

wirst das End' du nie erreichen.

Scheint's doch wie des Bogens Mitte

stets vor dir zurückzuweichen.


Dein Verstand will's nicht begreifen,

denn du kannst doch and're sehen,

die am End' der bunten Streifen

nahe dran am Glückstopf stehen.


Doch dann hörst du DEREN Klage,

dass DU vom Glück begünstigt bist

und erkennst, dass alles Frage

der eig'nen Perspektive ist.


Aufbruch


gefangen in der Endlosschleife

schwankend zwischen „Ja“ und „Nein“

verloren zwischen „Für“ und „Wider“

zwischen „Kann“ und „Darf nicht sein“


im Korsett von „Wenn und Aber“

eingezwängt in Raum und Zeit

Zweifel lähmen die Gedanken

Angst vor der End-Gültigkeit


wenn du JETZT nicht wagst zu rufen

Stop! So kann's nicht weitergeh'n!“

wirst du morgen vor den Trümmern

deiner Lebenslüge steh'n

Bajazzo


bittere Pille

zuckrige Hülle

lache, Bajazzo, Lachen gefällt

 

Make-up, das beste

wasserfeste

Tränen verachtet die Welt

 

starke Fassade

Schein, Maskerade

lache, Bajazzo, lache und tanz

 

strahlendes Lächeln

aufrecht, nie schwächeln

trügerisch funkelnder Glanz

 

Mauer um Seele

Kloß in der Kehle

tanz in verlog'nen Kulissen

 

was dich erregt

was dich bewegt

darf niemand wissen

Dunkelgrau


Du bist die Wolke vor der Sonne,

das Haar in meinem Suppentopf.

Bin ich gefall'n, stellst du voll Wonne

noch deinen Fuß auf meinen Kopf.



Du mischst auf meiner Farbpalette

mir dunkles Grau ins Lebensbunt.

Wie Nasenöl aus der Pipette

tropft Gift aus deinem Lästermund.



Du tötest mit der Worte Klinge

die kleinste Freude ohne Not

und lächelst zynisch, wenn ich singe:

Gesang – des frühen Vogels Tod ...



Die Bitterkeit, die dich zerfressen,

sie schürt den Hass in deinem Blick.

Du neidest, was du nie besessen:

Mein unscheinbares, stilles Glück.



Ausgebrannt


hab nichts mehr zu geben

die Speicher sind leer

die Zeiger erzittern im roten Bereich

 

ich weiß ja, das Leben

ist nicht immer fair

es spielt dir seit Jahren manch boshaften Streich

 

dann fehlt dir alleine

zum Kämpfen der Schneid

und ich zeig' voll Zuversicht Stärke für zwei

 

ich räum' dir die Steine

vom Weg, teil' dein Leid

und trockne die Tränen der Trauer stets neu

 

doch all' diese Stunden

voll Kummer und Pein

sie zerren und reiben die Seele mir wund

 

die Kraft ist entschwunden

die Stärke nur Schein

und trockener Staub deckt des Füllhornes Grund

 

so gern möcht' ich zeigen

wie müde ich bin

möcht' gerne mich stützen, doch weiß nicht worauf

 

so werde ich schweigen

das ist wohl der Sinn

denn ließ' ich mich fallen, wer finge mich auf?

 

Emporkömmling

in Zusammenarbeit mit Slov ant Gali


Es posauniert ein Regenwurm,

dass, wer nur will, auch alles kann.

Er klettre jetzt auf diesen Turm

im Erdbeerfeld gleich nebenan.

 

Vom Regenwurm nicht weit entfernt,

ruft Meister Schneck: „Ich bin dabei!

Auf, dass die Welt uns kennen lernt!“

Es reck- und strecken sich die zwei

 

und wandern schließlich voll Elan

und Tatendrang in Richtung Turm.

Der Schneck kommt langsam nur voran ...

recht flott hingegen kriecht der Wurm.

 

Am Fuß der Mauer dann: Trotz Kraft

und Mut erkennt Herr Wurm, oh Schreck,

dass er es nicht nach oben schafft.

An ihm vorbei zieht Meister Schneck

 

gen Turmdach. Silbrig glänzt die Spur.

Im Wurme die Erkenntnis keimt:

So gut nach oben kommt wohl nur,

wer schleimt ...


Hannibal


Du sagst,

du möchtest in die Tiefen

meines Gehirn

eindringen,

um dort

nach

meiner Seele

zu forschen.


Ich sage dir,

Hannibal,

du würdest

dort

nichts anderes finden

als rötlich-graue

Masse,

die sich vor deinen Augen

in

klumpige Gelatine

verwandelt.


Denn

meine Seele

verbirgt sich nicht dort,

wo du

sie suchst...

Gelebtes


Gelebtes

spiegelt sich

im Netz der Linien

auf der Oberfläche deines Ichs

 

vernarbte Wunden

geschlagen mit dem Schwert

der Wut und des Hasses

 

tiefe Falten

geprägt mit dem Stempel

der Sorgen und der Trauer

 

harte Linien

eingeritzt mit dem Messer

der Verzweiflung und der Enttäuschung

 

zarte Fältchen

gezeichnet mit dem Stift

der Freude und des Lachens

 

haarfeine Bögen

erdacht mit dem Pinsel

der Liebe und der Hoffnung

 

in der starren Maske

geschaffen durch die Hand des Chirurgen

verleugnet sich

Gelebtes

 

Hoffnungsblüte


Mit dem Optimismus

ist es

wie mit einem edlen Rosenstock:


Um zu gedeihen,

bedarf er der Pflege

und Zuwendung.


Wenn man sich die Mühe macht,


ihn regelmäßig mit etwas Frohsinn

zu düngen,

die verdorrten Knospen der Enttäuschung

zu entfernen

und sich vorbehaltlos an den Farben erfüllter Träume

zu erfreuen,


wird er

auch nach einem radikalen Rückschnitt

wieder austreiben

und neue Blüten der Hoffnung

hervorzaubern ...




Im Keller


Ich koste vom Krug mit gebroch'nen Versprechen,

obwohl sie die Zunge mit Bitternis netzen,

und puste verträumt von Erinnerungsfetzen

den Staub, ignoriere das schmerzhafte Stechen.

 

Ich wühle in Resten in gläserner Truhe

begrabener Hoffnung, die damals mir fröhlich

und farbig erschien, mit den Jahren allmählich

zerbrach und ergraute. Ich gönn' ihnen Ruhe.

 

Ich öffne den Schrank fast vergessener Lieben

und schnuppre den Duft, diesen süßlich', doch herben.

Ich streich' über matte, einst leuchtende Scherben

von Sehnsucht und Wünschen, die unerfüllt blieben.

 

Ich blättre im Buch der verbotenen Träume,

vermodert die Seiten, die zärtlichen Worte

verblasst, fast entschwunden. Ich öffne die Pforte

mit Wehmut im Herzen, verlasse die Räume.

 

Verberge den Schlüssel den Blicken der Leute,

verbiete mir, mich nach dem Gestern zu sehnen,

verwische die Spuren der heimlichen Tränen

und lächle und kehre zurück in das Heute.

Interferenzmuster


Dein Leben - ein Tropfen im Weltmeer der Zeiten,

so klagst du mit Seufzen und fragst nach dem Sinn,

kaum dass es berührte die endlosen Weiten

des Zeitmeers, schon sei es verschwunden darin.

 

Doch sieh, wie die Tropfen des Regens im Garten

das Wasser des Teiches mit Kreisen verziern,

mit kräftigen Wellen, mit schwachen und zarten.

Und schau, wie die Kreise einander berührn,

 

sich hier überlagern, da stärken, dort schwächen,

durchkreuzen und schneiden. Ein Muster erscheint,

bis Wellen und Kreise am Ufer sich brechen,

 und Tropfen für Tropfen mit andren sich eint.

 

Und wenn sich im Zeitmeer des Lebens zwei Kreise

berühren, und sei's nur für DEN Augenblick,

wo wir im Begegnen auf magische Weise

ein Lächeln uns schenken, ein winziges Stück

 

gemeinsamen Weges gehn, dann liegt der Sinn

genau darin ...

 


 


 



Larmoyant                                      


Die Nachbarn ... sie reden und machen

dich schlecht, auch wenn alle so tun als ob nicht,

denn wenn du dich näherst, erzählen sie Sachen,

die dich nicht betreffen, tun freundlich und lachen

dir falsch ins Gesicht.


Die Freundin … Was muss sie dort klönen?!

Sie redet mit dem, der seit gestern dein Feind!

Er hatte die Frechheit, mit kritischen Tönen

dein Handeln zu rügen. Jetzt lästern und höhnen

sie sicher vereint!


Geschenke … von Herzen gegeben?

Mag glauben, wer will! Du hast längst schon erkannt:

Sich selbst profilier'n ist des Schenkenden Streben.

Aus Eitelkeit gibt er - und nicht, um zu weben

ein inniges Band!


* * *

Du bist zum Verlierer geboren.

Man will dir nur Böses, ist fies und gemein.

Die Menschheit, sie hat sich voll Bosheit verschworen.

Und zwingt dich, in Argwohn und Missmut zu schmoren ...

Es kann doch nicht sein,

dass jemand dir herzlich gewogen?!

Und das, was er sagt, ist noch ehrlich gemeint?!

Doch irrst du: Nicht jeder ist falsch und verlogen!

Nicht andere haben ums Glück dich betrogen,

du selbst bist dein Feind ...


             Kleiner Vogel Hoffnung


kleiner Vogel Hoffnung
freudig erlagst du der Täuschung
durch die glänzende Fassade
der Erinnerung
glaubtest
dem trügerischen Spiegelbild
längst vergangener Glücksmomente

vorsichtig
bette ich deine zitternden Überreste
in meiner hohlen Hand
spüre dein schwaches Herz
noch immer pochen

noch schwanke ich
ob ich versuchen soll
dich am Leben zu erhalten

jene Fassade
werde ich zukünftig jedenfalls
nicht mehr putzen


Melancholie                                    


Was ist's, das mir das Herz mit Schwermut füllt,

grad, da ich mein', dass mich doch Glück umschlingt,

die Sinne trübt wie Rauch, der mich umhüllt,

und mich zu abgrundtiefem Seufzen zwingt?

 

Das tonnenschwer auf meine Schultern drückt,

mich jeder Leichtigkeit des Seins beraubt

und jedes Lachen, jede Freud' erstickt,

mir keinen Frohsinn, keine Lust erlaubt?

 

Ist es das Wissen

um die Flüchtigkeit des Augenblicks,

das leise Ahnen,

dass schon bald der Abschied winkt,

das Schon-entschwinden-Spüren

jenes kurzen Glücks,

das, weil geborgt,

nur um so kostbarer uns dünkt?

 

Ist es die Furcht

vor jener Endlichkeit der Lebenszeit,

die von Geburt an

überschattet unser Sein?

Ist DAS der Grund,

dass im Moment der Seligkeit

ich wein' ...?

 

                                   Misshandelt


Rollkragenpulli – im September ...

Sonnenbrille – im November ...

 

die Brandblase – von einer Kippe ...

die geplatzte Oberlippe ...

 

Dein Halstuch – nein, es kann die Flecken,

daumengroß, nicht verdecken.

 

Dein Make-up – die dicke Schicht

verbirgt grün-gelbe Schatten nicht.

 

Deine Hand – der Verband ...

ach – am Backofen verbrannt ....

 

Dein linker Knöchel – ungeschickt

auf der Treppe umgeknickt ...

 

Die Beule – er kann nichts dafür,

dumm gestoßen an der Tür ...

 

Die and'ren Narben – unsichtbar,

Blicken verborgen – aber da ...

 

Die Risse – tief in deiner Seele ...

dicker Kloß in meiner Kehle ...

 

Deine Augen – wirr, gehetzt ...

Lass dir helfen – hier und jetzt!

 

Geh nicht mehr zu ihm zurück!

Ungläubigkeit in deinem Blick...

 

Wach endlich auf! - Ich schrei' dich an.

Du lächelst: Er ist doch mein Mann ...

 


                                        Memoria I


leises Lachen

sanfte Stimme

Anruf hält Erinn'rung wach

weckt akustisch meine Sinne

Liebesbrief im Mailpostfach

Worte

tausendfach gelesen

abgespeichert

eingebrannt

Zeugnis dessen

was gewesen

sind Erinnerungsgarant

Düfte lassen im Gedächtnis

alte Bilder neu entsteh'n

fototechnisches Vermächtnis

hilft dem Auge

sie zu seh'n

wirst mir gegenübersitzen

konserviert für alle Zeit ...


doch in meinen Fingerspitzen

macht sich das Vergessen breit ...


Memoria II                                       


Und manchmal in heimlicher Stunde

da sperr ich den Schrank der Erinnerung auf,

seh eckige Kästchen und runde

und große und kleine mit Jahreszahl drauf.


Grad will ich mir eins davon greifen,

da seh zu ich zu meinem Erstaunen: Nanu,

die Box mit den hellroten Streifen

ist nicht richtig zu!


Ein Spalt zwischen Deckel und Dose!

Die Kordel, mit der ich das Liebste umknüpft

- Gedanken an dich – scheint mir lose,

die ein oder andre Erinnrung entschlüpft.


* * *


Erinnrungen geh'n nicht verloren,

doch brauchen sie Freiheit – den lichten Moment.

Dann reichen schon ein, zwei Faktoren

und sie sind präsent.


Denn plötzlich … der Hall einer Stimme,

ein flüchtiges Wort und der Duft warmer Haut,

ein Hauch von Parfum – und ich schwimme

inmitten von Bildern, die lieb und vertraut ...



Nervensägen


ICH bin perfekt, was ich auch tu,

hab Recht, was ich auch sag.

Das wird der Grund sein, dass wir zu-

einander passen, ich und du,

und dass man uns so mag.

 

DU bist dank Scharfblick und Genie

stets gerngesehner Gast,

weil du zu jeder Theorie

und jedem Fakt mit Garantie

was beizutragen hast.

 

WIR wissen viel, von allem was,

und dankbar nimmt man's an.

Wir raten gern, auch ohne dass

man bitten muss ohn Unterlass.

Man hilft ja, wo man kann ...

Überwintert


tief vergraben

in Resten unerfüllter Träume

unter einer dicken Schicht

schlecht verarbeiteter Enttäuschungen

haben Wurzeln

meines Hoffnungsblütenstrauches

überlebt

 

wärmende Strahlen

deiner Freundschaft

erwecken sie wieder

 

zaghaft

bauen erste Blattspitzen

auf bleibende Wärme

 

bis neue Blüten

sich voll entfalten

braucht es Geduld

 

Und ich ...?


Klar darfst du mich als Freund benutzen.

Lad' ruhig Probleme bei mir ab.

Gern helf' ich dir beim Seeleputzen,

fungiere als dein Sorgengrab.


Und hält das Glück dich fest umfangen,

dann freu' ich mich mit dir von fern.

Ich weiß, dann hast du kein Verlangen

nach mir. Ich hab dich trotzdem gern ...


Und selbstverständlich tröst' ich dich,

wenn Kummer, Trauer dich umweht.

Doch frag, mein Lieber, bloß nicht mich,

wie's mir geht ...



                 Nüchtern betrachtet


Es lebt sich so locker und leicht ohne Hoffnung.

Man atmet ganz unbeschwert, frei.

Die Zeit, als sie Teil meines täglichen Denkens,

ist unwiderruflich vorbei.


Sie schlich sich verstohlen und leise von dannen.

Ihr Fehlen wurd' mir erst bewusst,

als ich jetzt den Wert deiner Worte erkannte:

nur leeres Gerede. Doch Frust,


Enttäuschung, gar Trauer hab ich nicht empfunden

bei dem, was sich mir offenbart'.

Nur jener kann wahrhaft Enttäuschung verspüren,

den vorher die Hoffnung genarrt.

Ad acta                                            


 Manchmal klammert man verbissen,

wider eig'nes bess'res Wissen,

sich an einer Hoffnung fest,

die sich nicht erfüllen LÄSST.

Diese EINE Hoffnung eben

gilt es, schließlich aufzugeben,

weil es Kraft und Nerven raubt,

wenn man stur an etwas glaubt,

das sich längst als Farce enttarnte.

Den Verstand, der heimlich warnte,

sollt' man nicht mehr ignorier'n

und ein Scheitern akzeptier'n.

Der nur ist für Neues offen,

neues Leben, neues Hoffen,

der ein Wunschbild, das zerrann,

auch ad acta legen kann …

 


Ödland


… und es füllen sich die Stunden

die bis gestern licht und blau

und als stets zu kurz empfunden

Stück für Stück mit dichtem Grau

 

und sie dehnen sich zu Tagen

ohne Sinn scheint der Moment

in der Kehle würgen Fragen

deren Antwort niemand kennt

 

wieder lese ich die sieben

dürren Zeilen auf Papier

die – von flücht'ger Hand geschrieben -

so viel ändern – und ich frier'

 

Stille tönt in meinen Ohren

und das Denken wird zur Qual

alle Freude scheint verloren

da durchdringt ein Sonnenstrahl

 

jenes Grau - er schenkt ein Ahnen

seh' ein zartes Grün entsteh'n

Hoffnung will den Weg sich bahnen

und ich lasse es gescheh'n

 


Überschätzt


Partystimmung – ausgelassen ...

Auf das Leben! Hoch die Tassen!

Glatteis glitzert auf den Straßen.


Lachen perlt durch eis'ge Stille.

Autoschlüssel – trotz Promille ...

Gegen Fahne: Lutschpastille


Scheinwerfer die Nacht erhellen.

Aus dem Dunkel Schatten quellen.

Bremsen quietschen, Schreie gellen.


dumpfer Knall

auf Metall


Fahrer konstatiert entsetzt:

Reaktion wohl überschätzt.

Beifahrer nur leicht verletzt.


Blicke aus dem Fenster schweifen,

Körper mit vier Beinen streifen.

Der Verstand will nicht begreifen...


Nur ein Tier – erleichtert' Lachen ...

Rückwärtsgang – mit 80 Sachen

ruckzuck aus dem Staube machen ...




Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe:

Gestern in den den frühen Morgenstunden entdeckten Jogger

die Leichen eines etwa 40-jährigen Mannes

und seines Hundes

auf dem Seitenstreifen der B123.

Beide sind vermutlich Opfer eines Verkehrsunfalls

mit Fahrerflucht.

Wie ein Polizeisprecher mitteilte,

wurden an der Leiche des Mannes Platzwunden am Kopf

sowie Verletzungen im Bereich der Wirbelsäule festgestellt.

Beide Verletzungen seien nicht tödlich gewesen,

der Tod sei durch Erfrieren eingetreten.


Bei rechtzeitiger Hilfe ...


Zeugen des Verkehrsunfalls werden gebeten ...

               Wenn Waldi apportiert


Ich geh' mit meinem Hund spazier'n,

am See, das sei dazugesagt,

mich an der Sonne delektier'n,

und Waldi geht auf Entenjagd.


Vom Ufer aus, da hat er Mut.

Den Enten ist das einerlei,

sie kennen Waldi schon recht gut

und wissen, dass er wasserscheu.


Ich ruhe aus auf einer Bank

und werfe Stöckchen routiniert,

weil Waldi sonst die Zeit zu lang:

„Nun such!“ ... und Waldi apportiert:


Ein Schnullerkettchen „Babyblue“,

'ne Taschenlampe, leicht defekt,

'nen unbesohlten Herrenschuh,

ein Erdbeereis, nur halb geleckt ...


EIN ERDBEEREIS??!! Mensch, Hund ... woher?

Wer das wohl grad' ans Ufer schmiss?

'ne Coladose, platt und leer,

'ne Babywindel, voller Schiss,


drei Taschentücher, braun beschmutzt,

ein Feuerzeug der Marke „King's“,

dann zwei Kondome, klar benutzt,

und irgendso'n zerquetschtes Dings.


McFastFood-Tüten, halbgefüllt,

'ne Brauseflasche, das gibt Pfand,

'ne Reval-Schachtel, arg zerknüllt,

'nen blutverschmierten Mullverband.


Zwei Plastikbecher bringt er mir,

aus denen nie mehr jemand trinkt,

und hundertfach Bonbonpapier,

das fröhlich in der Sonne blinkt.


Es bietet sich, fürwahr, fürwahr,

der buntgemischte Wohlstandsmüll

dem Auge des Betrachters dar

als zauberhaft' Naturidyll ...


Mein Dank dafür dem Wandersmann,

der nach der Rast zu abgeschlafft,

als dass man noch verlangen kann,

dass er Verpackung heimwärts schafft ...


... denn eine Flasche, wenn sie leer,

wiegt auf dem Rückweg doppelt schwer!