Liebe m.b.H. (2)

mit dir                         


Kind sein

übermütig

einander stoßen

und doch

vor dem Fallen bewahren

Nähe spüren

im gemeinsamen Lachen


jung sein

Arm in Arm

die Sterne betrachten

ihr Leuchten wiederfinden

in den Augen des Anderen


im Heute

Hand in Hand

unbekanntes Gelände betreten

Herbstlaub unter den Füßen

freuen über unvermutet auftauchende

Zäune und Mauern

die uns zwingen

auf Umwegen

Pfade zu erkunden

die uns sonst

verborgen geblieben

wären


an morgen

denken wir später

           Schattenfrau


du sagst

ich sei die Wand

an die du die Gedankenbälle wirfst

du sagst

ich sei die Hand

die sie gewichtet und sortiert

und der Verstand

der reagiert


du sagst

ich sei die Reibefläche

dem Zündholz deiner Fantasie

und deinen ungebor'nen Liedern

sei ich die Melodie


sei das Gefäß

in das du deine Tränen gießt

und sei der Arm

der dich zum Trost umschließt


sei Muse dir

Inspiration ...


... doch nur von fern

nur Illusion

ist meine Hand in deinem Haar

bin zwar mit Worten für dich da

bin zwar ein Mund

der zu dir spricht

mein Lachen schenkt dir

Farbe

Licht

doch selber

bleib ich grau in grau

denn ich

bin deine Schattenfrau



Goldig




  • #1

    Thomas (Donnerstag, 18 Juni 2015 15:39)

    Mir gefällt die Bruder-Schwester-Variante am besten. Wenn's um Geldpartnerschaften geht, scheint's mir doch eher immer so zu sein, dass der oder die eine an Schönheit reich und der andere ... äh, einfach NUR reich ist. ;-) Liebe Grüße, Thomas

  • #2

    gunda (Donnerstag, 18 Juni 2015 18:15)
    Die Bruder/Schwester-Variante wurde mir übrigens von anderer Seite als seeeehr böse "angekreidet" :o)
    Aber so bin ich eben :o) Lieben Gruß und Dank für deinen Kommentar, Thomas, Gunda

Was hat sie ...


 

Blick durch halbgeschloss'ne Lider

und ein Lächeln um den Mund …

Wie so oft, hat er sich wieder

von ihr fortgeträumt. Der Grund?

Einer, der sehr attraktiv ist!

Sowas hat sie im Gefühl!

Glaubt er denn, dass sie naiv ist?

Eine Andre ist im Spiel!


Wut und Neugier an ihr nagen!

Wer ist sie? Wie sieht sie aus?

Eigentlich will sie nicht fragen,

doch dann bricht es aus ihr raus:


Was hat sie, das ich nicht habe?“

Er erschrickt, dann lacht er laut.

Sie ist eine Himmelsgabe“,

grinst er, „Kühle, glatte Haut,

sanft gepflegt von meinen Händen.

Gut gebaut, oh Mannomann!

Und sie fügt sich meinen Lenden,

passt sich meinem Rhythmus an.


Viele Männer sie begehren,

doch das nehm ich mit Humor!

Ihre Kurven - zum Verehren,

und der Sound Musik im Ohr!


Dann ihr Fahrgestell: vom Feinsten!

Alles glänzt wie frisch poliert.

Jede Schraube, selbst die kleinsten.“

Mist … Sie hat sich schön blamiert,

sich gebärdet wie 'ne Zicke,

voller Argwohn ihn bedrängt,

während er an seine schicke

neue Cross-Maschine denkt ...

 

Angekommen


Misstöne


als wir uns kennenlernten

schienen die Melodien unseres Lebens

zu harmonieren

denn die Vorzeichen

waren bei beiden

die gleichen


als die ersten Misstöne erklangen

merkten wir

dass die Saiten meiner Seele

in G-Dur schwangen

deine aber

in E-Moll vibrierten


die ganze Disharmonie

offenbart sich

im Schlussakkord

Nacht-Land


Vollmondnacht

Sternenpracht


zwei Uhr acht

aufgewacht

dich ganz sacht

mit Bedacht

wachgemacht

Lust entfacht


später fand

deine Hand

ganz entspannt

meine Hand

Schlummerland


Vollmond lacht

hält die Wacht ...


Phantasma


manchmal

aus dem Nichts heraus

da träume ich mich zurück

in die sonnigen Straßen der Stadt


dann sitze ich wieder

auf steinernen Stufen

oder hölzernem Halbrund

den Geschmack des Sommers auf den Lippen

seine Wärme auf meinen geschlossenen Lidern

den Duft gefangen in meinem Haar

und plötzlich bist du da

neben mir


raufaserne Realität

verhöhnt meine suchende Hand

mein Lächeln aber

trägt mich durch den Tag



Dein Brief


Nebeneinander


„Wie geht’s dir?“ Sein Mund streift ganz leicht ihre Wange.

„Hier riecht es nach Zwiebeln.“ Sein Blick streift den Herd.

„Ich leg' mich kurz hin“ … Und es dauert nicht lange,

da klingt aus der Stube sein Schnarch-Dur-Konzert.


Sie murmelt „Es geht so ...“ und richtet die Speisen.

Es sind noch Kartoffeln und Wurzeln zu schäl'n.

Von Einkauf, Friseur und den höheren Preisen,

da kann sie Gerd-Herbert auch später erzähl'n.


Sie schaut ihm versonnen beim Kauen und Schlucken

zu. „Schatz, mach mal lauter, ich kann ja nichts hör'n!“

Er liebt es, beim Abendbrot Fernseh zu gucken.

Da mag sie ihn nicht mit Alltäglichem stör'n.


Dann fragt er „Wo bist du mit deinen Gedanken?“

Sie zuckt mit den Schultern, „Ach, nichts“, dreht sich um.

Er greift seine Schlüssel. „Ich fahr' mal zum Tanken,

Benzin ist grad billig.“ Sie nickt und bleibt stumm.


Er ruft „Bin zurück“, doch die Antwort ist Schweigen.

Ein Brief auf dem Schreibtisch? Er kann's nicht versteh'n:

Sie braucht wen zum Reden? Dann soll sie's doch zeigen!

Welch stillose Art, einfach wortlos zu geh'n ...



Er ist halt nur ein Mann ...



  • Michael S. (Sonntag, 19 Juli 2015 19:56
    Wunderbar, liebe Gunda. Da fühl ich mich als Mann doch sehr ertappt. - Und dann denke ich aber auch: Ist dieser Mangel an Zuwendung und liebevoller Aufmerksamkeit wirklich so eine Eigenschaft nur von Männern? - Meine Erfahrung spricht Bände, dass es sich eher um ein allgemein-menschliches Problem handelt. :-)

     

    #2gunda (Montag, 20 Juli 2015 08:35

    Danke dir, lieber Michael. Nein, du hast natürlich Recht, das ist eher ein allgemeinmenschliches Problem. Und es betrifft auch keineswegs einfach nur Paare. Oder wann hast du zuletzt Mutter/Vater/Kind oder sonstiger eigentlich für dich wichtiger Person gesagt, wie gern du sie hast, oder einem Kollegen, wie sehr du ihn schätzt?
    Oha, da sollte ich mich wohl an die eigene Nase fassen ;o)
    Liebe Grüße
    Gunda

    Über facebook gepostete Kommentare:
    Jürgen Friedrich Weißleder gut geschrieben - auch wenn ich ein MANN bin!
     Wilfried U. Marita Rüffer - ohne Worte -
     Astrid Westermann Eine prickelnde Beziehung ist eben wie eine Theatervorstellung. Sie braucht jeden Tag Premierenstimmung mit vielen Küssen!
     Jürgen Friedrich Weißleder stimmt! Manchmal ist jeden Tag Theater
     Gunda Jaron Lach ... Jürgen, glaub mir, es funktioniert auch andersherum
     Gunda Jaron Danke, ihr Rüffers!
     Gunda Jaron Ach, Astrid, eine zauberhafte Vorstellung. Aber 30 oder 40 Jahre lang Premierenstimmung? Da gehört schon was zu  ... Danke dir.

Pech gehabt, Pygmalion


Einst hatte ich Ecken und Kanten.

Du sahst mich als Rohdiamanten,

noch formbares Material,

und hofftest auf einen Brillanten,

dein Frauenbild-Traumideal.

 

So hast du zum Werkzeug gegriffen,

die Ecken und Kanten beschliffen,

gegebene Form ignoriert,

auf meine Facetten gepfiffen,

geschmirgelt, gefeilt und poliert.


Du glättetest meine Konturen

und tilgtest die kantigen Spuren,

erschufst eine Kugel nach Maß,

zwar glänzend, doch ohne Strukturen,

so glatt und durchschaubar wie Glas.

 

Doch Kugeln, mein Schatz, können rollen.

Das hätt'st du dir klarmachen sollen,

bevor du zu feilen begannst,

denn jetzt werd' ich rollend mich trollen.

Und weißt du, was du mich mal kannst …?





Töne des Schweigens


damals

hielten sie einander zärtlich an den Händen

lächelten sich an

schauten einander in die Augen

und schwiegen glücklich

 

heute

fassen sie einander manchmal an den Händen

... um nicht zu fallen

lächeln sie

... jeder in seine eigenen Gedanken versunken

schauen sie

... aneinander vorbei

 

und schweigen sie

 

aber ihr Schweigen hat einen anderen Klang bekommen

irgendwann unmerklich die Tonart gewechselt

 

manchmal

wenn es ganz still ist

meinen beide

einen schwachen Abglanz

zarter Töne aus der Vergangenheit zu vernehmen

aber nur selten zur gleichen Zeit ...

 

... und so fügen sie sich nie zu einer Melodie

 


Senkrechtfalte


Ich hasse diese Senkrechtfalte

auf deiner Stirn.

Sie ist genormt.

Sie zeigt, dass Zweifel an dir frisst.

 

Ich könnte schreien, wenn ich sehe,

dass dein Gehirn

ein „Aber“ formt:

Dann spricht aus dir der Pessimist.

 

Wenn sich die Augenbrauen heben,

kann ich schon hör'n

den nächsten Satz:

„Ob das wohl alles richtig ist...?“

 

Und bei dem kleinsten Wind von vorne,

da könnt' ich schwör'n,

dass du, mein Schatz,

ruckzuck die weiße Fahne hisst.

 

Wenn deinen Kopf du wiegst, und wenn du

(ich weiß nicht recht....

mal sehn... kann sein... )

dir wieder mal nicht sicher bist,

 

dann könnt' ich heulen voller Frust.

Mir wird ganz schlecht.

Du schließt dich ein,

gehst aus dem Wege jedem Zwist.

 

Und wenn du aufwachst eines Tages

aus der „Vielleicht-

Mentalität“

und mich - eventuell - vermisst

 

dann hab' ich mich verpisst ...


Taktil


Treffpunkt Stadtpark,Trauerweide,

Sehe uns noch, wie wir beide

lachend durch den Park spazieren,

reden und gestikulieren,

dabei scheu,

weil noch neu,

dies Gefühl 'Ich mag dich leiden',

jeden Hautkontakt vermeiden.


Hatt' gewünscht, es würde regnen.

Hätt' dir unterm Schirm begegnen

können und mich ganz verschwiegen

unauffällig an dich schmiegen.

Aber nein:

Sonnenschein

machte diesen Plan zunichte.

Und der Fortgang der Geschichte?


Treffpunkt Stadtpark, Trauerweide.

Seh'n uns an und wissen beide:

Es bedarf für unsre Nähe

keines Vorwands. Es geschehe ...

Mondenschein

hüllt uns ein.

Und in seinem Licht wird endlich

unser Wir ganz selbstverständlich.



... und morgen ist ein neuer Tag


Dein morgendliches Ritual,

noch vor dem Frühstück: Maus und Klick.

Und Hoffnung spricht aus deinem Blick.

Sekunden voller süßer Qual ...

 

Die Finger trommeln ohne Ruh'.

Seit Tagen bleibt dein Mailfach leer.

Nicht ganz, dir schreibt ja immer wer,

doch fehlt dies eine „Hallo, du!“

 

Im Grund', das weißt du ganz genau,

ist die Beziehung Illusion.

Du hast für ihn nur die Funktion

der virtuellen Schattenfrau.

 

Und so kommst du dir albern vor,

wie du dort am Computer sitzt

und spürst, dass du vor Spannung schwitzt,

das Auge fest am Monitor.

 

Und doch ersehnst du seine Post.

Du schluckst, die Kehle wie verschnürt.

Der Kaffeedurst, den du verspürt,

gewichen dem Gefühl von Frost.

 

Wie Watte schmeckt der Brotbelag.

Du seufzt enttäuscht – umsonst gehofft -

und zuckst die Schultern wie so oft.

Und morgen ist ein neuer Tag …


Sudoku


Du sagst,

ich bin für dich

wie ein Sudoku:

 

Immer,

wenn du meinst,

mich fast entschlüsselt zu haben,

tauchen im letzten Kästchen

zwei gleiche Ziffern auf.

 

Du beginnst zu radieren,

spitzt den Bleistift erneut

und fängst von vorn an.

 

Eigentlich,

sagst du,

magst du lieber Rätsel,

die du mit Kugelschreiber

lösen kannst.

 

Aber

dann hättest du mich

vielleicht längst beiseite gelegt ...


Vorteil


Die Abseitsfalle - dein Metier!
Du foulst im Lauf und trickst mich aus.
Dein Publikum, wie eh und je,
spendiert dir stürmischen Applaus.

Und wär' die rote Karte dein,
erteiltest du mir Platzverweis.
Du grätschst von hinten in die Bein'
und setzt auf Unfairness statt Fleiß.

Und jeden Fehlpass meinerseits
nutzt du für dich als Kampfanreiz,
verfolgst besessen nur dein Ziel.


Du achtest weder Freund noch Feind
und hast vergessen, wie mir scheint,
dass ich in deiner Mannschaft spiel' …


Wetterwende


Hast du vernommen

im Flüstern des Windes

das Wort, das ich leis' auf die Reise geschickt,

 

im dauernden Wechselspiel

ziehender Wolken

die sehnsuchtsvoll suchenden Augen erblickt?

 

Hast du mein zärtliches

Tasten der Hände

im samtweichen Streichelndes Regens gespürt,

 

den Kuss meiner Lippen,

als goldene Strahlen

der Sonnesich auf deine Wangen verirrt?

 

Hast du den Wind und die

Wolken, den Regen,

die Strahlen erkannt als mein heimliches Zeichen?

 

Ach ... bei dir gab's Gewitter,

du warst nicht zu erreichen ...



Taktik


Es war an einem Donnerstag,

da gaben sich Marie und Mark,

zwei Ameisen, im Birkenhain

ein Stelldichein,

vom Schein des Sichelmonds bewacht.

Ich glaub, es war so um halb acht.

Die Läuse kribbelten im Bauch;

für Schmetterlinge wär's dort auch

wenn man es ganz genau bedenkt,

viel zu beengt.


Ach“, dachte Mark, das Herze schwer,

wenn ich doch bloß nicht schüchtern wär ...

Dass sie in meinem Arm verharrt

und ich sie mit den Fühlern zart

betasten kann,

wie fang ich's an?

Es herrscht bei diesem Dämmerlicht

ja keine allzu gute Sicht.

Wenn wir zu diesem Hügel geh'n

und ich ihr dort, ganz aus Verseh'n,

ein Beinchen stell,

und blitzeschnell

zur Stelle bin, bevor sie fällt,

bin ich ihr Held.

Dann küsst sie mich – das wär der Hit.“

Und während er so sinnend schritt,

Mariechen zu sich selber sprach:

Wie helf ich bloß dem Zufall nach,

dass er mir näher kommt als nah?

Wenn ich beim Maulwurfshügel da

nun stolpere in vollem Lauf,

dann fängt er mich doch sicher auf

und hält mich fest. Und dann … wer weiß ...“

Sie seufzte leis'.


Am Maulwurfshügel angelangt,

streckt Mark geschickt ein Bein und bangt,

ob dieser Trick nicht zu riskant.

Mariechen strauchelt elegant

und Mark ist vor Verblüffung platt:

Das ging ja glatt.

Was für ein toller Hecht er ist!

Er bildet sich auf seine List

wer weiß was ein.


Das ging ja fein ...

Marie ist ebenfalls entzückt,

dass ihr der Plan so gut geglückt.

Noch immer ist sie ganz perplex.

Welch ein Reflex:

Tatsächlich hat sie Mark galant

mit seinen Fühlerchen umspannt

und nun … Sie lächelt fein …

Jetzt lassen wir die zwei allein,

denn zuschau’n, wie es weitergeht,

wär indiskret.


Traumprinz


Du glaubst,

in dir habe ich vor Jahren

meinen Traumprinzen gefunden?


Mag sein.


Hin und wieder aber,

von Zeit zu Zeit,

schimmert deine Haut leicht grünlich...


und dann bin ich im Zweifel,

ob ich dich noch einmal küssen

oder lieber

an die Wand werfen soll ...


Vergänglicher Zauber


du klappst den Zylinder

aus dem ich unsere Träume ziehe

zusammen

und sperrst ihn

in die Schachtel der Realität


du brichst den Stab

mit dem ich unser Grau

in Regenbogenfarben verwandele

entzwei

und wirfst ihn

ins Feuer des Alltags


und dann wunderst du dich

dass ich dich nicht mehr

bezaubern kann

Wieder einmal


Wieder einmal hart gelandet.

Der Ernüchterung folgt Wut.

Zolle meiner eignen Dummheit

den Tribut,

denn es hat mich die Erfahrung

unsrer Jahre doch gelehrt:

All dein Honig-Maul-Geschmiere

ist nichts wert,

weil der Quell der süßen Worte,

rasch versiegt, sobald der Mohr

seine Schuldigkeit getan hat.

Nur ich Tor

starte voller Illusionen

immer neu zum Höhenflug.

Doch vorbei, denn was genug ist,

ist genug.

Spar dir deinen Augenaufschlag,

deine falschen Schmeichelei'n,

denn ich fall' auf diese Spielchen

nicht mehr rein.

 


Fluss - Trilogie


Fluss (I) - Quelle


träge

der Fluss meiner Gedanken

gespeist durch Rinnsale

unbedeutender Herkunft

 

bachaufwärts

mache ich mich

auf die mühsame Suche nach Antwort

stoße auf leere Speicherbecken

die mich gestern noch

aus dem Vollen schöpfen ließen

weiß längst

was mich am Anfang

des Endes erwartet

 

versiegt

die einst so ergiebige Quelle:

unsere Worte

unsere Gefühle

unser Wir

 

Schweigen und Leere dort

wo sonst das Leben sprudelte

 

ein einzelner Tropfen

glitzert Hoffnung

ehe Spuren von Salz

auf meiner Wange

seinen Ursprung verraten ...

 

Fluss (II) - Wadi


wieder einmal

durchqueren wir dürstend

das weite Tal

wandern über ausgetretene Pfade

auf dem vertrockneten

Feld unserer Leidenschaft


langsam kniest du nieder

räumst einige Steine beiseite

zupfst an verdorrtem Gras

kratzt ein wenig in der Erde

reibst sie prüfend

zwischen Fingerspitzen


und ich sehe

feuchte Kuppen

glänzend im Sonnenlicht


gemeinsam hoffen wir

auf den Beginn der Regenzeit

verleugnen erneut das Wissen

um die Gefahr

die sie birgt


manchmal wünschte ich

sie bliebe aus

aber Verdursten

ist kein schöner Tod

Fluss (III) - Delta


einst einten wir

unsere Kräfte

Euphrat und Tigris gleich

zum großen Ziel


kaum merklich jedoch

änderte die Zeit unseren Lauf


Hindernisse umflossen wir

auf dem bequemsten Weg

ein jeder auf seinem


das Ziel

ist noch immer dasselbe

aber erreichen

werden wir es nicht

gemeinsam


Und sie ist ... so wie sie ist


Als er sagt, lass uns dinieren,

Samstagabend um halb acht,

ahnt sie schon: Es wird passieren,

Samstag wird er sie verführen.

Ihr ist bang vor dieser Nacht.


Vorsichtig macht sie alleine

Inventur per Spiegelblick.

Glaubt im harten Neonscheine

ihren Po und ihre Beine

wie schon immer viel zu dick.


Auf den Schenkeln: Schattenspiele.

Auf den Wangen, Stirn und Hals

fanden Falten ihre Ziele.

Jahreszeugen … Sie zählt viele.

Mehr als 50 jedenfalls.


Und so macht sie sich mit schwachen

Knien auf zum Rendezvous.

Doch dann reden sie und lachen,

witzeln über tausend Sachen,

und sein Blick sagt leise … Du!


Als er sagt, komm, lass dich fallen,

seine Hand kost ihr Genick,

da befreit sie sich von allen

Ängsten, die noch in ihr hallen,

und genießt den Augenblick.


Und als er sie dann unendlich

sanft massiert und zärtlich küsst,

da ist gar nichts mehr befremdlich.

Alles ist so selbstverständlich

und sie ist … so wie sie ist.


Unilateral


Ihr Lachen perlt, ihr Blick verspricht,

was sie nicht halten kann.

Er weiß, dass sie nur mit ihm spielt.

Und doch … Er ist ein Mann …


Sie ist nicht frei, das hat sie ihm

von Anfang an gesagt.

Weshalb sie ihn dann heimlich trifft,

hat er sie nie gefragt.


Dass er die Göttin in ihr sieht,

er ahnt es, schmeichelt ihr.

Mehr ist es nicht, doch manchmal träumt

er insgeheim vom „Wir“.


So nimmt er das, was sie ihm gibt,

lebt nur für den Moment,

da sie ihm ihre Gunst gewährt.

Sie ruft – er ist präsent.


Macht Männchen und hält ihre Hand,

trinkt dürstend jedes Wort,

von ihren Lippen, strahlt vor Glück.

Und morgen ist sie fort.


Dann hofft er wieder, Tag für Tag,

sein Blick hängt am PC.

Und jede Stunde ohne Mail

tut seinem Herzen weh.


Er rührt das Telefon nicht an,

hält ihr die Leitung frei.

Das wahre Leben aber geht

im Hintergrund vorbei.


Verzeih


da ist das Wort ...

jedoch der Mund

aus dem ich's hören möchte

schweigt


dies' eine Wort ...

jedoch die Hand

die es mir schreiben könnte

streikt


dies' kleine Wort nur ...

das zwei Menschen

die sich wehgetan

versöhnt


... doch die Stille um uns dröhnt


ein leichtes Wort ...

das um so schwerer wird

je mehr die Zeit

verrinnt


ich schreib dies' Wort ...

jedoch das Aug'

für das ich's schreibe

stellt sich blind


ich ruf dies' Wort ...

jedoch das Ohr

in das ich's rufe

stellt sich taub


... und die Rose welkt zu Staub


Wieder nicht


Wie versperrt des Geistes Pforten,

still der Stift in meiner Hand.

Suche wieder nach den Worten,

die ich gestern schon nicht fand.


Koffer steh'n gepackt seit Tagen

schon im Dachbodenversteck,

braucht' sie nur herabzutragen,

Taxi rufen und dann weg.


Meine Hand scheint sich zu wehren

aufzuschreiben, dass ich geh',

denn wie soll ich dir erklären,

was ich selber nicht versteh'?


Deine Schritte auf der Treppe ...

Nein, ich spür' mein Herz nicht pochen.

Seufzend schreib' ich „Einkaufszettel“

und steh' auf, Kaffee zu kochen.


Wilder Mohn


Ihr Kopf ruht auf der blanken Brust
des Liebsten. Die Frequenz
des Herzschlags zeugt von seiner Lust.
Es lacht des Lebens Lenz.
Ihr Aug zählt jeden Leberfleck
Auf straffer brauner Haut.
Mit Hand und Mund erforscht sie keck,
was ihr noch unvertraut.


~ ~ ~

Sie hat sich still zu Bett gelegt,
hellwach trotz später Stund‘.
Der, dessen Ring seit Jahr’n sie trägt,
er schnarcht mit off’nem Mund.
Im Licht des Mondes fällt ihr Blick
auf seine bloße Brust.
Sie streckt die Hand aus, zuckt zurück.
Er braucht den Schlaf! Die Lust?
Verstaubt im Gestern … Zeit zu zweit?
Zu schwer die Hypothek
von Stress und Alltag ... Zärtlichkeit?
Die Hand geht eignen Weg …

~ ~ ~

Ihr Kopf auf seinem nackten Arm …
Sie lauscht der Gegenwart.
Sein Mund streift ihren Nacken warm,
ihr Finger zeichnet zart
die Linien nach, die milchigblau
durchschimmern helle Haut.
Sie fühlt sich schön und ganz als Frau,
ist auch das Haar ergraut.
Ihr beider Atem geht synchron,
synchron der Herzen Schlag.
Im Lebensherbst blüht wilder Mohn.
Sie freut sich auf den Tag …

Hundert Mal


Hundert Mal hast du befohlen:
Geh und ruf mich nie mehr an!
Dennoch klingelte dein Handy,
denn er liebte dich, der Mann.

Hundert Mal hast du verordnet:
Geh und komm nicht mehr zurück!
Er stand wieder vor der Haustür,
denn du warst sein ganzes Glück.

Hundert Mal: Schick keine Blumen,
keine Mail und keinen Brief!
Neunundneunzig Mal erfolglos,
aber diesmal … läuft was schief …

Und so blickst du voller Staunen
auf das stumme Telefon,
horchst auf Schritte vor der Wohnung,
lauerst auf den Mailbox-Ton.

Doch dein Warten ist vergeblich.
Dieses war dein letztes Spiel.
Hoch gepokert und verloren,
was zu viel ist, ist zu viel.

Nun bekommst du deinen Willen,

liebe Freundin, er wird dich
ab sofort in Ruhe lassen,
da verlass dich ganz auf mich ...


Wir im Meer


du und ich

Hand in Hand

nackter Fuß auf warmem Sand


du und ich

so vertraut

Salz und Sonne auf der Haut


wir im Meer

Wind im Haar

über uns ein Möwenpaar


wir im Meer

zwei im Glück

Lächeln liegt im Augenblick

Wintersee


Raureif glitzert auf den Zweigen

und der See ruht Schnee bedeckt.
Still!, heiß' ich die Stimme schweigen,

die Erinn'rung in mir weckt.

 

Weiße Atemwölkchen schweben

durch die Kälte himmelwärts,

Wintertraumkulisse eben,

wär' da nicht dies' töricht' Herz ...

 

Und ich suchte in der Stille

doch Vergessen! Welch ein Hohn ...

Der Erkenntnis bitt're Pille:

Alles war nur Illusion.

 

Eiskristalle zieren Zweige,

Salzkristalle mein Gesicht.

Und ich flüstre leise: Schweige!

Dummes Herz, es hört mich nicht.



Marie und Mark


Sie mögen sich, sind Freunde.

Das Leben führt Regie:

Sie sehen sich nur selten,

der Mark und die Marie.


Betrüblich, doch nicht tragisch;

dank Mail und Telefon

verkehren sie fast täglich

seit vielen Jahren schon.


Sie tragen beide Ringe,

die nicht einander gleich.

Sie pflegen ja nur Freundschaft

und diese macht sie reich.


Doch dann, nach langen Wochen,

hurra, ein Wiederseh'n.

Verabredung zum Kino;

stattdessen … ist's gescheh'n.


Sie wissen, sie betraten

verbotenen Bereich,

denn beide tragen Ringe,

die nicht einander gleich ...


Sie sprechen nicht von Reue,

selbst wenn sie sie verspür'n.

Den Kampf mit dem Gewissen

muss jeder selber führ'n.


Sie sind noch immer Freunde.

Doch irgendwas ist neu.

Es fehlt das Unbeschwerte.

Sie spüren beide Scheu,


denn wenn sie früher sagten:

Wie wär's auf ein Glas Wein?“,

dann KONNTE viel passieren,

doch MUSSTE das nicht sein.


Heut zögern alle beide

ein Date zu arrangier'n:

Sie täten es im Wissen,

es WIRD erneut passier'n!


Und diesmal führt das Leben

ironisch die Regie:

Jetzt sehen sie sich gar nicht mehr,

der Mark und die Marie.

Liebesgedicht ;)


Spiel mit Blicken

Wortentzücken

kleine Scherzchen

rote Herzchen

zart berührt

und verführt


Kosen

Rosen

und Pretiosen


Sex und Triebe

große Liebe


dann vermissen ...

nachts im Kissen

heiße Tränen

süchtig sehnen

zarte Haut

so vertraut


ganz geheime

Träume

Schäume


Herzensdiebe

Schmerz und Hiebe


dann betrügen ...

tausend Lügen

nix mehr Geigen

nur noch Schweigen

wallt das Blut

kocht die Wut


Abschiedskuss

dann ein Schuss

Schluss


* * *


Ach, lieber Leser, ich vergaß:

Das Ganze ist natürlich Spaß,

denn: „Nie im Leben schreibe ich

ein 'Liebe-Triebe-Reim'-Gedicht!

Und wenn ich es vermeiden kann,

wend' ich auch 'Herz' und 'Schmerz' nicht an.“


So nahm ich mir vor Jahren vor,

doch kicherte der Musen Chor

voll hundsgemeiner List und Tück':

„Ach, reim doch EINmal 'Blick' auf 'Glück'!

Und EINmal nur reim 'Schuss' auf 'Kuss'!“

Na, ich gönn euch den Genuss ...


*seufz*



Ariadne


Überreich(lich) ...


„Du darfst nicht zu viel an mich denken“,

sagt er, halb im Ernst, halb im Spaß.

Sie lächelt: „Gedanken beschränken?

Wie geht das und wo liegt das Maß?


Mit Zollstock und Waage hantieren

zwecks Denk-Revision … mit dem Ziel,

im Anschluss zu eliminieren

ein jedes Gedanken-Zuviel?“


Er zwinkert. „Du weißt, wie ich's meine.“

„Natürlich ...“ Sie reicht ihm den Wein.

Sie trägt einen Ring, doch der seine,

der hat ein ganz andres Design ...


Nur Stunden hat er ihr zu schenken.

Sein Zug fährt um zwanzig nach neun.

Dann füllt wieder Sehnsucht das Denken.

Zu viel, weil es wehtut? Kann sein ...


  • #1

    Andreas (Donnerstag, 04 Juni 2015 12:11)

    Ich musste sofort an Rom denken... Woran hast Du gedacht? Lieben Gruß, Andreas

  • #2

    Gunda (Donnerstag, 04 Juni 2015 18:30)

    Lach ... Das ist ja das Schöne an solchen Gedichten, Andreas, dass ein jeder sie nach seiner Fasson interpretieren darf. Tja, ich könnte jetzt natürlich behaupten, ich hätte an mein Heimatstädtchen Sehnde gedacht, aber das wäre diesem zu viel der Ehre ...
    Danke dir für deinen Kommentar. Lieben Gruß, Gunda