Dies und das

Ich habe mich mit einer Geschichte an der Ausschreibung von blogq5, dem Blog der Quintessenz-Manufaktur, beteiligt. Das Thema war „Brief an Dein jugendliches Ich“. Herausgekommen ist ein Büchlein mit 30 ganz unterschiedlichen Texten unterschiedlicher Autoren, das mir sehr gefällt. Die Geschichten darin sind auch online nachzulesen. Klickt mal rein, lohnt sich!

 

Die Organisatoren der Ausschreibung hatten um ein Feedback zum Buch gebeten; von mir erhielten sie das folgende:


Hab' den Feedback-Ruf vernommen,

weshalb gern ich konstatier':

Buch ist gestern angekommen,

allerbesten Dank dafür!

 

Zolle höchste Anerkennung

Inhalt, Cover und Design.

Die Idee der Namensnennung

auf dem Umschlag find' ich fein,

ebenso die Titelseiten:

ein Gestaltungselement,

das die vielen Texteinheiten

reizvoll voneinander trennt.

 

Soviel Sorgfalt gibt es selten.

Attestiere Kompetenz

allen, die das Buch erstellten!

Lob dem Team von Quintessenz!



 


  • #1

    Brunhild (Samstag, 08 April 2017 18:40) Ein dickes Lob, liebe Gunda! Zuerst Dein Feedback- so nett gedichtet, dass der Leser neugierig wird und -natürlich- Deine Geschichte lesen möchte. Du kannst pointiert kurz und dicht Deine kleinen Geschichten schreiben, sie lesen sich wie ein Windhauch und haften wie eine Klette im Herzen. Super- und ein gutes Thema dazu!

bei facebook gepostete Kommentare:

Wilfried U. Marita Rüffer Erstmal..ein schönes Foto von dir und...nicht nur dein Feedback ist toll geschrieben...auch die Geschichte aus dem wahren Leben.

Petra Schaberger Ich gebe es zu, dieses Feedback hat mich 'gerockt'. :-)

Astrid Westermann Schön - bist Deinem Typ immer treu geblieben

Spitzentanz


Sie sind zu zehnt und sie sind nackt
im Tanz auf mondbeglänzter Au',
benetzt mit silbrig-funkelnd' Tau.
Des Herzens Rhythmus ist ihr Takt.

Sie gleiten, springen federleicht,
als trügen sie kaum an Gewicht.
Fast scheint's, als schwebten sie im Licht
des Mondes durch das Nebelfeucht.

Sie sind zu zehnt und es ist Nacht.
Ihr Spitzentanz trägt samten-weich,
die zarte Frau. Das Antlitz bleich,
wirft sie das Haar zurück und lacht.

Fast glaubt man sie im fröhlich' Spiel,
doch Tränen tropfen auf ihr Kleid.
Sie öffnet ihre Arme weit.
Des Ufers Klippen sind ihr Ziel ...

Nacht am Meer


Versilberndes Mondlicht

tropft zwischen die Zweige,

geheimnisvoll tanzen die Schatten der Nacht.


Der Duft von Lavendel

betäubt meine Sinne.

Ich lausche dem Dunkel, ein Raunen erwacht.


Im Flüstern des Windes,

dem Rauschen der Wellen

ich hör' deine Stimme, die leis' zu mir spricht.


Im ewigen Wechselspiel

ziehender Wolken

vor'm Kreisrund des Mondes such' ich dein Gesicht.


Ich tauch' meine Hände

in salzige Seide,

die funkelnd sich kräuselt. Gedanken entflieh'n.


Sie geh'n mit den Wellen

auf nächtliche Reise,

begleitet vom Mondlicht. Ich lasse sie zieh'n.


Zweifel-Los


... und hätte ich

die Freiheit der Wahl

und mein Herz jubelte

ein lautes

Ja

so wüsste ich doch

es hätte niemals die Kraft

das leise

Aber

des Verstandes

zum Schweigen zu bringen ...


Insomnia


unheilvoll

durchbricht

der Schrei des Käuzchens

die Nacht


bernsteinfarben

wabert die Zeit

vor schlaflosem Auge


suche Zuflucht

hinter geschlossenen Lidern

doch

Gedanken rotieren ruhelos

im Sog der Angst


Schwärze

drückt auf Brustkorb


suchende Hand

streift leeres Laken


atemlos

haltlos

erwarte ich das Lied der Lerche

nehme dankbar

das Geschenk

des erwachenden Morgens an:


Verdrängen ...


... bis der Schrei des Käuzchens

wieder die Nacht

durchbricht



...

...

Nach Maß


Bewegungslos wie eh und je,
von Hals bis Hüfte nackt,
verharrt sie still im Atelier,
ein wohlgestalter Akt.

Der Künstler weiß, er ist brillant.  
Ihm reicht ein kurzer Blick.
Mit schnellem Strich skizziert die Hand
den Umriss … welch Geschick.

Ein Tupfer Rot, ein Hauch von Gold;
der Meister nickt. Perfekt!
Der Lehrling voll Bewund'rung zollt
dem Genius Respekt.

Der Nackten große Stunde naht,
der Schöpfer naht mit Taft.
Er ruft nach Seide, Samt, Brokat.
Dann wird geschnürt, gerafft,

verhüllt, gezupft, gesäumt, drapiert.
Er stichelt wie befreit.
Voilà – die Schneiderpuppe ziert
ein Bild von einem Kleid.

Sie trägt es nur für eine Nacht;
figürlich gleicht exakt
sie jener Frau, für die's gemacht.
Dann ist sie wieder nackt.


Effigy


fliegende Finger formen Figuren

grausig Gedankengut giert nach Gewalt
knallrote Krallen kratzen Konturen
wortlos in warm-weiche Wutgestalt

blutiger Bote auf  Bildnis des Bösen
mystisches Murmeln – Macht der Magie
wirbelnder Weihrauch um wächsernes Wesen
Fetisch beflügelt die Fantasie

Kerben umkränzen des Kultkörpers Kehle
verleihen dem fernen Verfluchten Profil
stählerne Spitzen stechen in Seele
Zornobjekts Zittern – des Zürnenden Ziel


Neulich am Tresen - und kurze Zeit später



Nein danke, ich muss noch fahren.
Nicht mal einen Kleinen zum Verdauen?
Trink ruhig, heute fahre ich.
Auf einem Bein kann man nicht stehen.
Ein Gläschen in Ehren ...
Wasser? Das wirft mich ja um Stunden zurück!
Wollen wir nicht lieber ein Taxi nehmen?
Nach vier Bier fahre ich immer noch besser als du nach einem Martini.

Oh, das habe ich nicht gewollt ...




Foto: Q.pictures / pixelio.de

Camouflage


Schmetterling der Nacht

 

taumelnder Flug

im blinkenden Rot der Neonreklame

 

müder Blick

aus glanzlosen Augen

straft perlendes Lachen Lügen

 

gnädiges Zwielicht

der Morgendämmerung

vertuscht die Narben der Vergangenheit

 

Tränenspuren aber

erlauben eine flüchtige Ahnung

vom Grau

unter der grellbunten Maske

 

behutsam faltest du die Flügel zusammen

wirst wieder unsichtbar

im Licht

des Tages


  

Tagebuch


erste Tagebücher

lagen verborgen

zwischen Querstreifen und

Blümchenmuster

goldene Schlüssel

schützten ihre Geheimnisse

vor Blicken Unbefugter


neue Tagebücher

lagern in den Tiefen

elektronischer Verstecke

unzugänglich gemacht

durch fantasievolle

Passwörter


kein Flammenbad

muss sie vor der Neugier

Nachkommender bewahren


ein Mausklick genügt

und Erinnerung

ruht nur noch

in unseren

Herzen



Drei Wünsche ... (Geburtstagsgedicht)


Verspräch' mir eine gute Fee,

drei Wünsche zu erfüllen,

ich würd' für meinen ersten Wunsch

ihr meinen Traum enthüllen.


Wohl jeder hat so einen Traum,

von dem er weiß: Auf Erden

bedarf es etwas Zauberei,

sollt' daraus Wahrheit werden.


Die zweite Wunscherfüllungschance,

die würd' ich gut verschließen,

ganz tief in meinem Herzen, nur

das Wissen drum genießen.


Ich pflegte sie mein Leben lang,

würd' mich bei jedem neuen

ganz insgeheim gehegten Wunsch

an dem „Ich-könnt“ erfreuen.


Und ganz zuletzt bät' ich die Fee,

mich noch mal zu bedenken

mit freien Wünschen, eins, zwei, drei.

Die würd' ich dir dann schenken.


Du weißt schon: Einen für den Traum,

den zweiten zum Bewahren.

Und mit dem dritten könntest du

auf gleiche Art verfahren,


wie ich es täte, würd' – ja, würd'

es Zauberfeen geben,

doch die gibt’s nur im Märchenbuch

und nicht im wahren Leben.


So bleibt uns dies' Geschenk verwehrt.

Nun denn, ich muss mich fügen.

Und du musst zum Geburtstag dich

mit 'nem Gedicht begnügen.


Doch wohnen diesem Wort für Wort

nur gute Wünsche inne.

Sie mögen sich auch ohne Fee

erfüll'n in deinem Sinne.


Ankommen


Sehnsucht nach der STadt der Städte ...

Räder rattern, Auge konnt'

die vertraute Silhouette

schon erspäh'n am Horizont.


Näher, näher … Die Gebäude,

sie gewinnen an Kontur.

Fensterspiegelbild zeigt Freude.

Fragend streift der Blick die Uhr …


Viel zu zäh Minuten rinnen.

Dann der Bahnsteig … und ich spür'

diese Stadt mit allen Sinnen.

Endlich: Ich bin wieder hier …


Verschnuppt


Seit Stunden: Das Fenster steht offen …

Ich habe ein winziges Stück

des nächtlichen Himmels im Blick

und wage nur leise zu hoffen …


Dann plötzlich: Für ein, zwei Sekunden,

ein silberner Lichtschweif entflammt

ein Leuchten auf mattschwarzem Samt.

Ein Zauber – schon ist er verschwunden.


Ja, will mich das Schicksal betuppen?

Hab' so viele Wünsche gehabt!

Und dann hat es endlich geklappt:

Ich seh einen Stern sich verschnuppen,


doch ihm meinen Wunsch zu enthüllen,

das fällt mir vor Staunen nicht ein!

Jetzt denk ich, das muss wohl so sein …

Um sich einen Traum zu erfüllen,


bedarf's keines Meteoroiden!*

Wer selber, aus eigener Kraft,

den Wünschen Erfüllung verschafft,

erst der ist doch rundum zufrieden …



* nicht zu verwechseln mit Meteoriten.



  • Michael Roschke (Dienstag, 08 September 2015 18:57)

    Auch ich möcht mal Wünsche erfüllt seh’n,
    doch immer scheint’s wer zu verbieten.
    So schlecht ist die Welt! Soll kaputt geh’n!
    Ich wünsch ihr `nen Meteoriten!

    Doch wenn ich den Parzen* das aufschreib'
    und stürzt drauf der Koloss hernieder -
    den Wunsch, dass ich selbst unversehrt bleib
    beim Aufprall, verbieten sie wieder!

    *Schicksalsgöttinnen

    Tja, liebe Gunda, den Wünschen muss man – „in der Tat“ – leider meist selbst auf die Sprünge helfen, wenn sie partout nicht hopsen möchten…

    Schönes, sinniges Gedicht!

    Lieben Gruß: Micha

  • #2

    Gunda (Mittwoch, 09 September 2015)

    Oh ja, Micha, das "in der Tat" ist in der Tat sehr zutreffend ...
    Ich danke dir für deinen tollen, gereimten Kommentar. Freue mich, dich inspiriert zu haben :o)
    Liebe Grüße
    Gunda

 

Über facebook gepostete Kommentare:

 

  Wilfried U. Marita Rüffer Erst wir und dann ihr..... Haben deine poetische Ader schon vermisst. Endlich.. Gunda is back.

  Gunda Jaron Tja, immer kann man ja leider nicht im Urlaub bleiben ... :)